Freitag, 5. Oktober 2007

Insomnia

Es ist dunkel, 3,4 Sterne sind am Himmel, der Geraeuschpegel ist, nur differenzierbarer, vom Tag kaum zu unterscheiden und es ist warm. Erdrueckend, aber nicht unertraeglich. Bellende Hunde, schreiende Inder, hupende Autos, klingelnde Fahrraeder, glockenlaeutende Rikschafahrer und unsere lieben Ostasiaten mit ihrem nervigen Klapperspielzeug. Die Neonlampen ziehen Tiere an, lauter krabbelndes und fliegendes. Die nebeneinander angeordneten Pflanzen lechzen nach Wasser, doch das gibt es erst morgen wieder. Eine sanfte, kuehle Brise fegt durch den kleinen Innenhof, umsaeuselt meine nackten Arme und Beine, laesst die Waescheleinen hin und her schwingen. Doch zu selten findet ein jenes Lueftchen den Weg zwischen die verwinkelten Mauern. Also werden die Ventilatoren angeschmissen, laut aber hilfreich, die Zimmertemperatur wird ertraeglicher und immer oefter erklingt ein "gute Nacht", die Tueren werden geschlossen und dahinter das Licht geloescht. Doch die Zeit scheint still zu stehen, obwohl die Uhr tickt und der Mond untergeht, aendert sich nichts. Nichtmal meine Schlaflosigkeit. Da tapst eine Tigerkatze durch einen Lichtkegel, gesellt sich unweit zu mir, liegt da, mitten im Weg, wie es alle indischen Tiere tun. Ich stecke mir eine Zigarette an, lese eine Seite, dann die naechste, doch schweifen meine Gedanken immer wieder ab. Ich denke an all das was uns wiederfahren ist und ich nicht in Worte fassen kann. Das mir immer weniger treffende Ausdruecke einfallen, ich in meinem Wortschatz erfolglos suche. Von Gefuehlen ueberwaeltigt fuelle ich meinen Kopf mit Gedanken, Gedanken an das hier und jetzt. Ich versuche es niederzuschreiben, doch es befriedigt mich nicht. So bleibt es in meiner Welt, es gelangt nicht in die Eure, nach Berlin, die Welt die so weit entfernt ist, an die ich selten denke, die mir aber doch lieb ist. Aber warm und trocken ist mir lieber als kalt und nass. Nur ich sitze hier noch auf meinem Stuhl, die Fuesse hochgelegt, umgeben von graugruenen Waenden, den Plfanzen, der Katze. Mittlerweile sind auch die Laermmacher im Bett, es ist leise, alles schlaeft um mich herum. Ein wundervolles Gefuehl, diese Ruhe, welch ein Genuss, so bin ich wach, rauche und denke an Indien in der Nacht.

S.

3 Kommentare:

Tom R hat gesagt…

Schön. Echt schön. Ja

Uwe Zwo hat gesagt…

"so bin ich wach, rauche und denke an Indien in der Nacht." - und bist um den Schlaf gebracht. (qed)

Anonym hat gesagt…

:)